Italisch-RömischeBautechniken
erklärt anhand der Bauperioden in Pompeji
Ein Kurzlehrgang fürSchülerinnen und Schüler
1.
Die Kalksteinperiode: 425 - 200 v.Chr.
2. Tuff-Periode: 200 - 80 v Chr.
3. Die republikanische Zeit: 80 - 27 v.Chr.
4. Die Zeit von Augustus bis Claudius: 27 v. - 54n. Chr.
5. letzte Phase: 54 - 79 n.Chr.
1. Kalkstein-Periode: 425 - 200v. Chr.
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opus quadratum |
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Webrahmentechnik |
In dieser Zeit wird die Hausfront auszubehauenen Kalksteinquadern gebaut, die mit Ton
gebunden sind.Baumaterial ist der sog. Sarnokalk, ein helles, porösesKonglomeratgestein,
das leicht zu bearbeiten ist. Wenn dieser Kalklange der Luft ausgesetzt ist,
wird er hart und nimmt eine gelblichePatina an.
Die Bauweise mit Quadern nennt man allgemein opus
quadratum;die
Blöcke sind isodom (=gleich hoch).
Die Wände im Hausinnern werden
mit dersog. Webrahmentechnik (a telaio) gebaut: Man errichtetein
Gerüst von horizontalen und vertikalen Quadern, zwischendenen
unregelmässige Blöcke aus Kalkstein und Lavaeingefügt werden, die man mit Ton verbindet. Die
Wände sindmit einer weissen
Stuckschicht verkleidet.
Mit dieser Webrahmentechnik sind auch die Fronten bescheidener Häuser
gebaut.
Die Fussböden dieser Zeit bestehen indieser Zeit aus fest gestampfter Erde, die mit Kalk und Aschevermischt ist.
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Casa
del Chirurgo |
2. Tuff-Periode: 200 - 80 vChr.
In dieser Periode wird vor allem der graueNocera-Tuff als Baumaterial verwendet. (Nocera ist eine Stadt in derNähe von Pompeji)
Die Fassaden bestehen aus opusquadratum. Sie sind z.B. durch Pilaster am Hauseinganggeschmückt. In den Atria werden Impluvia aus Tuff eingebaut. Anden Fassaden der wichtigsten Gebäude werden Plattenverkleidungenangebracht. (Blendarchitektur: siehe unten das Haus desPansa).
Opus caementicium
(vgl. "Zement")
Ab dem 2. Jh. v. Chr. verbreitet sich
in der Campania das sog.opus
caementicium als neue Technik.
Möglicherweise istdiese Bautechnik, die sich
später in Italien und im ganzenrömischen
Imperium verbreitete, gerade in der Campaniaentstanden:
In der Nähe von Pozzuoli wird noch heute die sog.Puteolaner Erde - Pozzuoli hiess in der Antike Puteoli - abgebaut.Diese Erde, vermischt mit Wasser, ergibt eine
beliebig formierbareMörtelmasse, die nach dem
Trocknen steinhart wird. Gebaut wurde- wie heute bei der Verwendung von Zement
oder Beton - mit wanderndenVerschalungen meist aus
Brettern, in welche diese Masse eingegossenwurde. Oft
sind die Abdrücke der Bretterverschalungen heute nochzu
sehen (vgl. unten das Bild der Wasserleitung aus Augst).
Innen- und Aussenwände werden in derTuffzeit mit dieser neuen Bautechnik hochgezogen. Sie sindgefüllt mit weichen Bruchsteinen aus Lava. Die caementa(Bausteine) werden so angeordnet, dass für die sichtbareOberfläche regelmässig geschnittene Steine mitgleichmässiger Oberfläche nebeneinander gesetzt sind. DieseBauweise heisst opus incertum (vgl. unten das Haus in derRegio VI).
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opus incertum |
Aussenwände aus opus incertum sindhäufig mit Tuffplatten verkleidet, auf die Innenwände wirdoft ein dicker Verputz aufgetragen.
Diese opus caementicium-Bautechnik stellt eineeigentliche
Revolution in der Baugeschichte dar. Sie bedeutet dieMöglichkeit
des Verzichts auf die griechische Quadertechnik.
Ein griechischer Tempel aus Marmor beispielsweise bestehttatsächlich
völlig aus Marmor. Die Quader, dieSäulentrommeln,
der Architrav usw. sind allesamt zubehauenerMarmor.
Diese Bauweise verlangt hochqualifizierte Arbeiter und dauertverhältnismässig
lange.
Die neue Bauweise kann mit vielen, auch unqualifizierten Arbeitern inrecht kurzer Zeit durchgeführt werden. Ihre Vollendungerfährt sie in den Kuppel- und
Gewölbebauten der Thermenund in den
Aquädukten. Kuppeln und Gewölbe (siehe unten)setzen das opus caementicium voraus - die
Griechen bauten keineKuppeln -, der Bau von
Aquädukten innert nützlicher Fristist nur
mit der opus caementicium-Bauweise
möglich.
Auch die späteren Bauten mit Ziegelsteinen werden nach diesemVerfahren
gebaut: Die Ziegelsteine bilden nur das Äussere,
imInneren befindet sich der Mörtelkern:

Schmuck und Gestaltung der Wände wird beiallen römischen Mauern durch Verblendungen geschaffen, z.B.durch das Einhängen von Marmorplatten, das Auftragen von Verputzmit oder ohne Wandmalerei usw. Dieses Vorgehen wird selbst bei Mauernbefolgt, die mit der Quadertechnik gebaut sind.
Die Fussböden
der Tuffzeit sind amhäufigsten aus opus signinum = Kalk, der mit mit Ziegel- undAmphorenscherben
vermischt ist und dadurch einen roten Farbtonerhält.
Andere bestehen aus gestampfter Lava, die durch verschiedenfarbige,unregelmässige, zerstreut eingelegte Steine
belebt wird.
Ferner gibt es Fussböden aus weissen,
grob behauenen Steinen, inderen Mitte sog. Emblemata eingelegt werden. Emblemata
sindMosaik-Bilder, die in speziellen Werkstätten
hergestellt und indie Mitte der Bodenkomposition
eingefügt wurden.
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Pompeji,
Forum |
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Pompeji |
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Augst |
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Pompeji |
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Baia |
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Pompeji |
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3. Die republikanische Zeit: 80- 27 v. Chr.
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frühere Form: |
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ausgereifte Form: |
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opus mixtum |
Die Römer bringen nach der KapitulationPompejis das opus reticulatum nach Pompeji. Der Name istabgeleitet von lat. rete (Netz). Diese Bauweise, die keinenbesonderen bautechnischen Nutzen hat, wurde in Rom als Modeentwickelt und hat sich später über das ganze Imperiumverbreitet.
Ferner werden in dieser Zeit Ziegelsteine alsBaumaterial in grossem Stile eingeführt. In Pompeji entstehengrosse Ziegeleien. Allerdings sind reine Ziegelbauten selten, dagegentritt häufig das sog. opus mixtum auf, in welchemverschiedene Bautechniken kombiniertwerden.
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opus reticulatum |
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Bäckerei |
Farbige Mosaike bilden die Fussböden.Neu erscheinen die ersten schwarz-weissen Mosaike v.a. mitgeometrischen Mustern, die im Verlaufe der Zeit die farbigenBöden ersetzen.
4. Die Zeit von Augustus bisClaudius: 27 v. - 54 n. Chr.
In dieser Zeit herrschen bei denFussböden die schwarz-weissen Mosaike vor. Daneben gibtes sehr kostbare Böden aus geometrisch zugeschnittenemverschiedenfarbigem Marmor (opus sectile).
Ferner gehen auf diese Zeit in der Gartenkunst diemit Mosaiken verzierten Brunnennischenzurück.
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opus sectile |
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Brunnennische |
5. letzte Phase: 54 - 79 n.Chr.
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opus craticium |
Nach dem Erdbeben werden die Häuser durch dasleichte und billige Opus craticium erhöht. Es handeltsich dabei um eine Schnellbauweise, in welcher ein Holzrahmen mitSteinen oder auch nur mit geflochtenem Stroh ausgefüllt wird,über das man Mörtel schmiert.
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Herculaneum |
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