Liebe neue Schülerinnen und Schüler
Liebe Eltern
Liebe Kolleginnen und Kollegen
Mehr als 1000 Menschen strömen täglich an die KZU – sie alle verfolgen unterschiedliche Ziele und Interessen; mit unterschiedlicher Motivation und Vorfreude auf den neuen Tag betreten sie das Schulhaus. So verschieden sie sind, Eines haben alle gemeinsam: sie gehören der Gemeinschaft der KZU an. Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, gehört ab heute auch zu dieser Gemeinschaft. Ich freue mich, euch hier begrüssen zu dürfen.
Wo so viele Menschen zusammen leben und arbeiten, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, damit alle sich ihren Fähigkeiten entsprechend entfalten und wohl fühlen können. «Leben», der Begriff aus unserem Leitbild, heisst: leben, leben lassen und zusammen leben. Alle Mitglieder der Gemeinschaft müssen mithelfen, dass dies gelingt.
Was meine ich damit?
Am Beispiel des Auftritts unseres Orchesters möchte ich erläutern, was ich unter diesen Voraussetzungen verstehe: Was braucht es, damit die Aufführung eines Musikstückes, wie wir es eben gehört haben, gelingt?
Es braucht Menschen, die bereit sind, im Orchester mitzuspielen, dafür Zeit zu investieren. Zu einem festgelegten Zeitpunkt erscheinen sie pünktlich mit ihrem Instrument und den Noten. Sie kennen das Programm, die Reihenfolge der Stücke. Sie haben zu Hause im stillen Kämmerlein geübt, unterschiedlich lange, je nach Ausdauer, Motivation und Schwierigkeitsgrad des Stückes. Das war zwar nicht immer lustig – endlos Tonleitern zu üben kann ganz schön langweilig sein – aber alle wissen, dass es ohne Üben nicht geht. Sie haben sich zu gemeinsamen Proben getroffen. Wenn der Dirigent am Tage der Aufführung den Taktstock hebt, sind alle Handys ausgeschaltet, der Kaugummi entsorgt, die Gespräche mit dem Nachbarn beendet. Der Dirigent gibt den Einsatz, das Tempo vor und bedeutet mit Handzeichen, wie das Stück zu gestalten ist. Jeder Musiker, jede Musikerin versucht, ihren Part möglichst fehlerfrei und schön zu spielen. Dafür brauchen sie den Kopf, das Herz und ihre Hände. Nicht alles gelingt, manchmal stolpert man über eine schwierige Passage, obwohl man sie zu Hause doch perfekt beherrscht hat. Man gibt aber nicht auf, spielt weiter, es kommt das nächste Stück, das vielleicht sehr gut gelingt. Darüber freut man sich, es motiviert, weiter zu machen, zu üben, zu proben. Auch dem Nachbarn gelingt nicht alles, vielleicht spielt er besser oder schlechter als man selbst – auf jeden Fall musiziert man gemeinsam. Die Musiker unterstützen sich gegenseitig, ermutigen sich, lenken einander nicht ab. Es entsteht eine gemeinsame Aufführung, bei der jedes Mitglied wichtig ist. Auch wenn der Klarinettist mal ein Solo hat, ist er anschliessend wieder ein Mitglied des Orchesters und darf nicht einfach stehen bleiben und allein weiter spielen.
Am Ende des Stückes hören alle auf das Zeichen des Dirigenten gleichzeitig mit Spielen auf und geniessen nachher die Pause.
Was ich jetzt über die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aufführung des Orchesters gesagt habe, gilt auch für den Schulalltag. In der nächsten Zeit erwarten euch viele Aufführungen bzw. Prüfungen, die euren vollen Einsatz fordern: beim Üben zu Hause, beim Proben in der Schulstunde, bei der Aufführung an der Prüfung. Sie können nur dann gelingen, wenn die genannten Voraussetzungen von uns allen gelebt werden. Nur dann kann sich jeder und jede so entfalten und wohl fühlen, wie es ihm oder ihr entspricht – und wie es auch alle verdienen. Nur dann können wir an dieser Schule dem Leitbild - Begriff «Leben» gerecht werden: leben, leben lassen und zusammenleben.
Ich wünsche euch von Herzen, dass euch das gelingt – und ich wünsche euch auch die Portion Glück, die es bei jeder Aufführung braucht.